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 Betreff des Beitrags: Guide: non-standard Wege aus der Depression
BeitragVerfasst: 23. Jan 2017, 00:02 
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Rosenkreuzer
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 ! "Bwana Honolulu":
Aufgrund mangelnder Irrelevanz verschoben.


Depressionen sind im Aufwärtstrend, wenn es eine Aktie gäbe, sollte man sie kaufen. ;-)

Ich habe beschlossen einen Guide zu schreiben, der meine Glaubenssätze abbildet.

Da ich sehr lange schwer depressiv war (7 Jahre extrem, davor war es auch nicht so pralle) und nun nicht mehr depressiv bin, wage ich mir einzubilden, eine gewisse Komeptenz zu besitzen. Vielleicht gelten die hier aufgestellten Regeln auch nur für mich, und werden für alle anderen nutzlos sein.
Der folgende Guide ist für längere Depressionen gedacht, aus denen man mit normalen Mitteln nicht herauskommt, und man aus irgendwelchen Gründen mit der angebotenen professionellen Hilfe unzufrieden ist bzw. diese nicht wahrnehmen will.

Hypothese 1: Es ist anstrengend depressiv zu sein und auch mit so jemanden zu tun zu haben.

Der Grund, warum alles zehnmal so schwer ist und niemand etwas mit dir zu tun haben möchte ist also der selbe. Dein Energievorrat ist also zur Zeit limitiert. Sich mehr Mühe geben ist also vielleicht gar nicht drin, dementsprechend kannst du zur Zeit vielleicht auch keinerlei Erfolge forcieren. Es ist - falls du dir das irgendwie leisten kannst - Zeit einen Schritt zurück zu machen und sich von den ganzen Problemen zu distanzieren, die dich offensichtlich belasten. Du kannst auch abwägen, ob es für dich gut wäre, deinem Umfeld deine Situation klar zu machen, damit sie Verständniss dafür haben, dass du deinen Verpflichtungen grad nicht nachkommen kannst.

Ich spreche nicht davon, sich gehen zu lassen, also Dinge zu tun, von dem man weiß, dass sie die Probleme nur verstärken werden (exzessives Spielen, Drogen- und Alkoholkonsum, stumpfes berieseln lassen). Denn auch das kostet Energie.

Es scheint also sehr naheliegend zu sein, Dinge sein zu lassen, die sich als zu anstrengend zu erweisen. Das innere sich ausmalen, wie furchtbar deine Situation doch ist, mag eine natürlich wirkende Reaktion sein, aber auch das wird auf Dauer nur Energie fressen. Den gleichen Effekt bekommt man auch, wenn man hofft, andere Menschen könnten dir einen weisen Rat geben, den Schlüssel zu all deinen Problemen usw usf. Manchmal drängen sich diese auch von alleine auf, man sollte sie bestimmt abweisen, wenn einem ihr Gehabe zuviel wird. Ich weiß, dass das schwer ist, wenn man nicht viel Kraft hat. Vielleicht ist es auch möglich sich anders zu entziehen?

Summa Summarum:
Da es sich um ein "inneres Problem" handelt, kann dir leider niemand helfen, außer durch Veränderung deiner Hirnchemie, was du aber scheinbar nicht willst, denn sonst wärst du beim Psychater und nicht hier. Du erhoffst durch Veränderungen deines Denkens und Verhaltens nicht mehr depressiv zu sein, oder irgendetwas ähnliches.

Bin ich verflucht? Machen mich die Illuminaten systematisch fertig? Oder lag es daran, dass meine Mutter mich verkehrt herum aufs Töpfchen gesetzt hat? Ist dies eine Art Prüfung, die ich bestehen muß?
Solche Fragen stellst du dir vielleicht. Doch du bist auf dem Holzweg.

Hypothese 2: Fantasie und Wirklichkeit haben nichts miteinander zu tun.

Hier lohnt es sich, sich ein wenig Rationalität anzueignen. Verschwörungstheorien und Okkultismus sind wahrscheinlich nichts weiter als pure Einbildung der Praktizierenden, auch wenn es hier und Ausnahmen geben mag. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass dir deine Fantasien nicht gefährlich werden können. Viele Menschen glauben das bestimmte Gedanken gefährlich sind, oder krank machend, oder was auch immer. Oder anders gesagt, sie schreiben ihrem Bewußtsein Eigenschaften zu, die es wahrscheinlich nicht hat. Ich glaube zwar daran, dass Gedanken dein Verhalten verändern können, aber wesentliche Veränderungen immer auch gewollt sind.

Du kannst also in deiner Fantasie alles ausleben was du willst, niemand wird es bemerken und es wird keine negativen Konsequenzen haben. Böse Blicke können dich nicht verletzen, außer du denkst den ganzen Tag darüber nach, dass Person XY dich nicht leiden kann.

Es ist also nicht notwendig deine Gedanken zu unterdrücken, vorrausgesetzt, du reagierst nicht blindlings auf jeden Gedanken. Aber du bist ja nicht mehr 5 oder 10 Jahre alt, es besteht also keinen Grund zu befürchten, man würde einfach von einem Hochhaus springen, nur weil man am Geländer diesen Gedanken hat.
Überhaupt lohnt es sich, ab und zu innezuhalten, anstatt jedem Impuls nachzugeben. Stelle dir wenigstens mal die Frage, was du dir erhoffst, wenn du eine bestimmte Handlung vollziehst, also ob du wirklich glaubst, dass es dir danach besser geht - und überprüfe, ob deine Erwartung eingetreten ist.

Was für Esoterik gilt, gilt auch für viele akzeptierten Weltanschaaungen, die Menschen in Gewinner und Verlierer einteilen oder von irgendwelchen Leistungsträgern halluzinieren. Des Rätsels Lösung ist ganz einfach. Diese Typen hatten einfach mehr Glück als du, es gibt keinen metaphysischen Grund hinter ihrem Erfolg und deinem Versagen, die Gründe werden in der Regel materieller Natur sein. Selbst Genies brauchen einen Geldgeber, der sie finanziert :-)

Das heißt natürlich nicht, dass du deine Situation nicht selbst verändern kannst. Doch dazu kommen wir später.

Hypothese 3: Deine Depression ist von dir ein Stückweit aktiv gewollt.

Oh Schreck, bin ich selbst mein ärgster Feind? Nein, wahrscheinlich nicht, es gibt vermutlich irgendetwas in deinem Alltag, was kaum zu ertragen ist. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass Depressionen (in der ersten Welt, du wohlstandskranker Jammerlappen :-) ) durch den Mangel an irgendetwas ausgelöst werden, sei es fehlende Zuneigung oder weil dir der berufliche Erfolg ausbleibt, sondern durch bestimmte Dinge, die du aktiv tust. Es ist natürlich nicht schön sein ganzes Leben lang mehr oder weniger allein zu sein oder von niemanden ernst genommen zu werden, aber das ist meiner Meinung nach nicht die primäre Ursache für deine Depression, sondern eher eine Folge.

Es gibt wohl einen guten Grund dafür, warum du dich so verhältst, wie du es mommentan tust. Denn die Depression ermöglicht dir, einer regelmäßig auftretenden Situation auszuweichen, die du als nicht hinnehmbar erlebst. Somit kannst du innerhalb des Modus Krankheit eine gewisse Freiheit genießen, die du sonst nicht hast. Da die anderen Menschen deine passive Aggressivität nur akzeptieren, wenn du dich als depressiv (oder etwas ähnliches) bezeichnest, glaubst du vielleicht auch irgendwann, nicht mehr anders zu können.
Dem was du ausweichen willst, kann etwas ganz simples sein, zum Beispiel wie du glaubst gegenüber anderen Menschen auftreten zu müssen.

Hier ist es extrem wichtig Selbstehrlichkeit zu entwickeln, das heißt, sich einzugestehen, welche konkrete Situation bestimmte negative Konnotionen in mir aktivieren. Habe ich vielleicht bestimmte Wünsche, deren Erfüllung ich mir nicht erlaube, weil ich sie für moralisch verwerflich, gefährlich oder lächerlich halte? Glaube ich bestimmte Emotionen und Gedanken unterdrücken zu müssen, was mich aber viel Energie kostet? Lebe ich mit Menschen zusammen denen ich AIDS und Krebs an den Hals wünsche, habe aber Angst davor, mein soziales Netz aufzugeben? Hasse ich meinen Job? Langweilt mich mein Leben? Leide ich unter sozialer Isolation? Nunja, die Liste könnte man sicherlich endlos fortsetzen.

Wichtig ist, das du herausfindest, was in dir Lust- oder Unlust Gefühle auslöst. Eine Erklärung oder Rechtfertigung dafür brauchst du nicht. Auch brauchst du jetzt noch keine Lösungen. Registriere einfach wie du empfindest.

Hypothese 4: Sich zu verändern ist nicht notwendigerweise ein Horrortrip, noch ist es anstrengend noch schmerzhaft, wenn du dich verändern möchtest.

Auch wenn es im Film immer so ist, dass der Held Entbehrungen und Mutproben auf sich nehmen muß, um aus dem schüchternen Versager einen stattlichen Herrenmenschen zu machen, beschreibt der Film nicht das wirkliche Leben, sondern bedient die billigen Fantasien des Publikums.

Das heißt, dass kleine Schritte dir sehr wohl etwas bringen und es nicht Tod und Teufel brauch, um dich ins Leben zurückzuführen. Zwar gibt es viele gegenteilig lautende Ratschläge, diese sind aber meiner Meinung nach häufig Prahlerei. Ich behaupte auch nicht, dass Menschen sich unter extrem Bedingungen nicht verändern würden, wohl aber, dass sie nicht extreme Bedingungen brauchen um sich zu verändern. Oder soll es etwa so sein, dass man lebenslang Erlebnisse brauch, die einen in nackte Panik versetzen, um überhaupt einen Antrieb zu haben? Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es das ist was du dir wünscht.
Klar, es mag mal ein Erlebniss sein, sich großen Ängsten zu stellen, aber das ist nur ein kleiner Aspekt von dem was möglich ist und nicht keinesfalls notwendig um die eigene Situation zu verbessern.

Mir hat es viel geholfen, dass ich erkannt habe, dass die großen Veränderungen von denen ich lange Zeit besessen war in Wirklichkeit nichts waren als Stereotypen die ich irgendwo mal aufgeschnappt habe. Diese Hirngespinste von Größe sind vor allen Dingen eins, sie sind sehr gewöhnlich und du teilst sie mit allen anderen Propagandaempfängern.
Ja, wenn du kein Superheld bist, ist die Welt vielleicht ein bisschen sinnloser. Aber ist das wirklich furchtbar? Ist es vielleicht nicht eher lustig? Vielleicht auch befreiend?

Die kleinen Schritte hingegen kannst du sehr viel individueller Gestalten, sie sind vor allen Dingen viel ergebnissoffener. Ergebnissoffen heißt, du betrachtest es als ein Experiment dich anders zu verhalten, anstatt mit sehr festgelegten Erwartungen an die Dinge heranzutreten.

Lerne dich neu kennen!

Hypothese 5: Der Rest kommt von alleine.

Ich glaube das wenn du diese Anleitung befolgst, sich alles weitere selbst finden wird. Du wirst wieder lachen können und alles andere bekommen was du dir wünschst. Ich weiß nicht worum es in deinem Leben geht. Ich kann dir jedoch versichern, dass die Stichworte der überschriften, als auch jene die ich unterstrichen habe mir sehr geholfen haben.

Maßgeblich habe ich diese Glaubenssätze in Auseinandersetzung mit dem Diskordianismus, aber auch anderen Weltanschauungen entwickelt. Diesem und den anderen sei an dieser Stelle gedankt.

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Der Papst ist kein Shapeshifter und auch kein Reptiloid. Er ist ein Archon der negativen Seite und stammt aus der Andromedagalaxie


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 Betreff des Beitrags: Re: Guide: non-standard Wege aus der Depression
BeitragVerfasst: 23. Jan 2017, 00:10 
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Hausmeister
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Es ist wirklich schön, daß du diese Gedanken mit uns teilst. Sobald ich wieder daheim bin, also nicht bloß von Händy aus surfe, werde ich zwei Dinge tun: 1. deinen Text in Ruhe lesen und 2. :räusper: ihn verschieben, weil er nicht irrelevant genug für die Akademie der komparativen Irrelevanz ist. %D

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Wenn ich schon der Affe bin, dann will ich der Affe sein, der dem Engel auf's Maul haut. XD
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Reichsminister für Popularpodicifikation,
Hüter des Heiligen Q.


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 Betreff des Beitrags: Re: Guide: non-standard Wege aus der Depression
BeitragVerfasst: 19. Mär 2017, 21:25 
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Rosenkreuzer
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Umgang mit dem Internet

ich glaube wenn man das Internet zu nem Fernseher umfunktioniert und sich berieseln lässt verschlechtert das auch die Stimmung. Andrerseits gibt es auch gute Unterhaltung, die Inspiriert.

Hier sehe ich eine Herausforderung, einen guten Radar für gute oder schlechte Unterhaltung zu entwickeln.

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 Betreff des Beitrags: Re: Guide: non-standard Wege aus der Depression
BeitragVerfasst: 5. Jun 2017, 15:09 
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Rosenkreuzer
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zu dem thema auch intressant:

https://www.heise.de/tp/features/Es-gib ... 27685.html

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